Theodor Eichberger (1835-1917)


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Die Maske

Novelle von T. E.

(Fortsetzung)

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- Wohin denn so schnell, schöne Maske? redete er sie an.

- Meine verlorne Freundin wieder aufsuchen, antwortete die Gefragte mit, bei Masken üblicher, feiner Stimme.

Guntram war ganz entzückt von dem Flötenton der Stimme und sagte artig:

- Ei meine Holde! es ist aber sehr gefährlich für Dich in diesem Tumult so allein Deine Freundin zu suchen. Darf ich Dich nicht als Freund begleiten?

- Ho! du machst aber sehr schnell Freundschaft! Weißt Du denn wer ich bin?

- Ja! daß Du die liebenswürdigste Dame unter der Sonne bist. - Schnelle Freundschaft ist, wie schnelle Liebe, die Beste! Komm, gib mir Deinen zarten Arm.

Die Maske legte, anfangs etwas zögernd, ihren Arm in seinen dargebotenen und Beide wandelten durch die Menge.

Guntram verließ nun die Maske, die ihm immer reizender wurde, keinen Augenblick mehr und machte ihr auf die feinste Weise den Hof. Jeden Tanz war sie seine Tänzerin und sie zeigte auch die größte Meisterschaft in dieser Kunst; die kostbarsten Erfrischungen, welche das Büffet enthielt, ließ er auftragen, obwohl die Dame an Allem nur nippte und immer noch spröde gegen ihn war.

Als die Beiden so eine lange Zeit in dem Getümmel und Tanz zugebracht hatten, meinte Guntram; die Schöne werde müde sein, und führte sie daher in eine leere Loge, wo er dicht neben ihr Platz nahm.

Er war wirklich verliebt in die Maske, ohne ihr Gesicht gesehen zu haben, blos durch ihre schöne Gestalt und anmuthigen Bewegungen. Obgleich sie sehr wenig sprach, so schien ihm doch das Wenige so geistreich und interessant zu sein, wie er die Conversation noch bei keiner Dame gefunden zu haben glaubte. Nun war sein höchster und einziger Wunsch noch, ihr Gesicht zu sehen, welches sie aber standhaft vor zwölf Uhr verweigerte, aber versprach, daß sie Schlag Zwölfe die Larve abnehmen wolle. Er konnte aber diese Stunde nicht abwarten und wollte durch ein Geständniß seiner Liebe seinen neugierigen Wunsch erzwingen.

- Nun liebenswürdige Maske! hub er als Einleitung an: darf ich denn hoffen auch nach diesem Abend das Vergnügen, das mir Deine Bekanntschaft gewährt, noch länger genießen zu können?

- Ich müßte undankbar sein, wenn ich Dir, schöner Bösewicht! das versagen wollte.

- So bin ich der glücklichste Mensch unter der Sonne und ich wage auch noch die Bitte, dich nach beendigtem Ball nach Haus zu begleiten?

- Nun auch dieses will ich dir gewähren. - Aber sieh! da bemerke ich ja an Deinem Finger einen Trauring! Bist Du verheirathet?

- Ich will aufrichtig gegen Dich sein - ja ich bin es! Verstoß mich deßwegen nicht, Holde! und schenke mir deine Liebe.

- Ei, ei! Hast Du denn so wenig Treue und Liebe für deine Frau, daß du noch eine andere Bekanntschaft anknüpfen willst?

- Sieh! Ich achte meine Gattin und trage geduldig die mir vom Schicksal aufgelegten Ehefesseln; aber soll ich denn deßwegen jedes zarte Gefühl gegen andere Damen erdrücken? Nein das wirst Du mit nicht zumuthen! - Meine Frau hat ihren freien Willen und kann machen was sie will; dafür werde ich doch auch ein Bischen Freiheit haben dürfen!

- Ha ha ha! Wie Ihr Männer doch so schön Eure Untreue zu bemänteln wißt.

- O wer würde bei Dir Reizende! nicht allen andern Damen, und wären Engel sie an Schönheit, untreu werden!

Guntram stürmte nun mit einer feurigen Liebeserklärung hervor, und erhielt auch nach langem Schmachten von der Maske das Geständniß der Gegenliebe. Er war in vollem Liebestaumel und schenkte ihr als Pfand und Andenken seiner Liebe, den von Adele am Altar empfangenen Trauring.

Als Gegenpfand erhielt er ein Blumen-Bouquet aus ihrem Haar. Nun drang er aufs heftigste in sie, ihr Gesicht zu zeigen und sich erkennen zu geben; aber auf alles Bitten erhielt er immer die Vertröstung auf zwölf Uhr, wo es noch eine halbe Stunde hin war.

Eben erschallte im Saal ein avons place zum Française. Die Maske wünschte diesen Tanz mit zu tanzen und Guntram mußte sich darin fügen, so gerne er auch noch länger mit ihr gekost hätte. Sie stellten sich in die Quadrille, welche gedrängt voll war. Die Musik begann und die Tanzenden wogten wild, ohne Ordnung durcheinander.

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Theodor Eichberger: Die Maske. Novelle. (Fortsetzung)
In: Mainzer Anzeiger Nr. 34 vom 10. Februar 1855, S. 134-135


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