Theodor Eichberger (1835-1917)


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Pfingsten.

Pfingsten, holdes Fest der Frühlingswonne!
frommer Chorgesang und Glockenklang;
Linde Lüfte, gold'ne Maiensonne,
Süßer Blütenduft und Vogelsang!
Hoher Glaube an ein ew'ges Werde
Strahlt verjüngt aus tausendfält'gem Blüh'n;
Ew'ge Liebe schmückt die schöne Erde
Wunderbar mit neuem Hoffnungsgrün.

Pfingsten! Welch ein fröhl'ches Klingen, Singen
Tönt durch blum'ge Au'n in Jugendlust!
Denn die Seele fühlet neue Schwingen,
Lenzhauch atmet die befreite Brust.
Maienkränze windet sich die Liebe,
Frohe Menschen wall'n durch Wald und Flur,
Neu erwachen alle schönen Triebe
Und im Feierkleid prangt die Natur!

Pfingsten! Bange Sorge muß entweichen,
Wenn der Frühling seine Gaben bringt;
Wenn von allen Halmen, allen Zweigen
Neue Frucht verheißungsvoll uns winkt.
Neues Hoffen, frohes Gottvertrauen
Zieht erquickend in die Herzen ein,
Läßt getrost uns in die Zukunft schauen:
Nicht vergeblich kann dies Mühen sein.

Pfingsten! Blütenreicher Gottesfrieden
Lindert auch den herben Trennungsschmerz
Um die Teuren, die von uns geschieden;
Balsam für das gramerfüllte Herz.
Gräber leben auf in jungen Trieben,
Blumen blüh'n auch über Grabesnacht;
Frühlingsgrüße sind's, von unsern Lieben
Ueber's Grab uns liebreich dargebracht. -

Pfingsten, holdes Fest der Frühlingswonne,
Sei gegrüßt mit Sang und Glockenklang;
Sei gegrüßt, o gold'ne Maiensonne,
Süßer Blütenduft und Vogelsang!
Hoher Glaube an ein ew'ges Werde
Strahlt verjüngt aus tausendfält'gem Blühn;
Ew'ge Liebe schmückt die schöne Erde
Wunderbar mit neuem Hoffnungsgrün!

Theodor Eichberger: Pfingsten.
In: Beilage der Mainzer Zeitung Nr. 110 vom 13. Mai 1883


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