Theodor Eichberger (1835-1917)


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Die Statue des Erzengels Gabriel auf dem Engelsturm

Foto der Engelsstatue
Der Erzengel Gabriel

Im Jahre 1879 wurde die Statue des Erzengels Gabriel auf dem Hauptturm der Basilika St. Marcellinus und Petrus in Seligenstadt restauriert. Die Basilika selbst wurde ab dem Jahre 830 durch Einhard errichtet und wird daher auch Einhardsbasilika genannt; sie ist das Wahrzeichen der Stadt.

Die Statue des Erzengels aus dem Jahre 1743 besteht aus vergoldetem Kupferblech und hat eine Höhe von 2,10 m. Die Vergoldung war damals ungleichmäßig verschwunden und musste erneuert werden.

Am 20. Mai 1879 wurde die restaurierte Engelsstatue wieder auf der Basilika angebracht. Nachdem die Statue befestigt war, sprach der Dachdeckermeister Nessel vom Turm herab eine von Theodor Eichberger verfasste Rede, die im Folgenden wiedergegeben wird; in einem Arm der Engelsstatue soll sich - der Überlieferung nach - zusammengerollt eine schriftliche Kopie von diesem Vortrag befinden:

Des Engels Grüße.

In neuem Glanze ist der Engel wieder
Auf unserm schönen Gotteshaus zu sehn;
Als Friedensbote blickt er auf uns nieder
So mild und schützend, aus den lichten Höhn.
Er strahlet, weithin sichtbar, in die Ferne,
Auf daß die Menschen mag sein Glanz erfreun;
Er ladet sie gleich einem goldnen Sterne
Zum frommen Wallen, zum Gebete ein.

Der erste Gruß, den er zum Himmel sendet,
Sei dem allmächt'gen Vater fromm geweiht;
Wenn er uns Friede, Kraft und Eintracht spendet,
Dann sind wir für das Leben wohl gefeit. -
Der zweite Gruß tön' dankbar durch die Lande
Zu unsrem edlen, hohen Fürstenhaus,
Das wieder neu in würd'gem Prachtgewande
Erstehen ließ das neue Gotteshaus.

Der dritte Gruß, er gelte allen Denen,
Die mitgewirkt voll Opferwilligkeit!
Die halfen, Gottes Tempel zu verschönen,
Und mitgeschafft an seiner Herrlichkeit.
- O mög in seinem goldnen Kleid, dem neuen,
Der Friedensengel vom erhöhten Platz
Rundum nur Wohlstand schauen und Gedeihen,
Zum fern'ren Wohl und Heile Seligenstadt's!

Theodor Eichberger: Des Engels Grüße. Vortrag, gehalten vom Dachdecker Nessel am 20. Mai 1879.
In: Seligenstädter Anzeiger Nr. 41 vom 24. Mai 1879


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