Theodor Eichberger (1835-1917)


⌂ Home > Humorist > Carneval:

Die Mainzer Fruchthalle

Die Mainzer Fruchthalle auf einer alten Postkarte
Die Fruchthalle zu Mainz

Die Sitzungen des Carneval-Vereins hatten seit 1865 in der Fruchthalle stattgefunden. Das war ein 1839 errichteter Bau mit Steinmauern in der Dominikanerstraße, der in Mainz jahrzehntelang die Räumlichkeiten für Feierlichkeiten aller Art, für Versammlungen, Ausstellungen, Bankette, Versteigerungen etc. geboten hatte.

In der Nacht vom 17. auf den 18. August 1876 brannte die Fruchthalle nieder. Augenzeugenberichten zufolge war das Feuer durch eine Unachtsamkeit von Anwohnern in der Nachbarschaft ausgelöst worden: in dem "Reul" (i.e. ein sehr schmaler Gang) zwischen Fruchthalle und einem Nachbarhaus wurde kurz vor Mitternacht eine Feuersäule beobachtet, die von den dort gelagerten Petroleum- und Schmalz-Fässern ausging. Das Feuer wurde durch den Wind angefacht, und innerhalb weniger Minuten stand der gesamte Dachstuhl der Fruchthalle in Flammen. Die Halle war nicht mehr zu retten, so dass die vordringlichste Aufgabe der Feuerwehr während jener Nacht darin bestand, die benachbarten Gebäude vor dem Feuer zu schützen; Von den Nachbarhäusern wurden zwei zerstört und drei weitere erheblich beschädigt.

Mit der Fruchthalle ist das gesamte Inventar - Mobiliar und Bühnendekorationen - des Mainzer Carneval-Vereins, der Liedertafel und des Gartenbauvereins ein Raub der Flammen geworden. Die Fruchthalle wurde nicht wieder aufgebaut, so dass den Mainzer Fassenachtern in den folgenden Jahren keine geeigneten Räume zur Verfügung standen; ein Umstand, der den Narren schwer zu schaffen machte.

Nachruf an die Fruchthalle

von Jean Bohne

So ist es endlich doch den Herrn gelungen
Dich zu vertilgen ganz und gar!
Mit Zahlen hat zuletzt man Dich bezwungen,
Als es fast anders nicht mehr möglich war.
Und es geschah, um Geld uns zu ersparen,
Gewiß ist dies ein schöner Zweck;
Doch wirft man, wie wir's schon oft erfahren
Es anderswo gar oft in D..ck!
Jedoch genug, man wußt' es durchzusetzen,
Man war darauf halt capricirt;
Was liegt daran, was auch die Leute schwätzen,
Die "Rheinhall" war ja längst schon proiectirt.
So leb denn wohl, wir werden nicht vergessen
Was Du uns warst, Du altes Haus!
Was wir an Dir so Vieles einst besessen,
Löscht selbst die "neue Halle" nicht mehr aus.
Du hättest sollen doppelt werth uns bleiben,
Denn Gutenberg, der auch ein "Mainzer Kind",
Soll, wie Historiker uns d'rüber schreiben,
Hier ruhen. Wie undankbar die Menschen sind.
Was würden andere Städte darum geben,
Wenn sie erforschen könnten solch ein Grab!
Hier hält man einige Tausend Mark daneben
Und macht geschäftsmäßig die Sache ab.
Der Carneval, scheint auch mit dir gestorben,
Aus Gram vielleicht, ist er mit dir verbrannt.
Wie lange bleibt uns diese Freud' verdorben?
Ach manches Schöne wird mit dir verbannt.
Kein Circus wird hier prächtig mehr erstehen,
Die Fruchthall zeigt uns nicht mehr "Käthchen Renz";
Wir werden keine Ausstellung mehr sehen,
Nicht Floras-Kinder mehr, nicht Musik-Conferenz.
Bei uns kannst Du Dich aber nicht beklagen,
Das "alte Mainz" hat Dich ja stets gewollt;
Wer sich mit Dir nicht weiter konnt' vertragen
Hat mit uns Mainzern selber auch gegrollt.
Es werden hoffentlich die Fruchthallsmucken
Ihn oft besuchen nachts im Schlaf,
Als schreckliche Gespenster spuken
Und das sei seine Straf! -
Was wird uns wohl die Zukunft bringen?
Vielleicht am Rhein die "neue Hall"?
Ob dann die Herrn noch fröhlich singen:
"Nä! Unser Geld werd gar nit all."

(in: Mainzer Schwewwel Nr. 38 vom 23. September 1877)

Die Stadthalle

Lange Zeit waren die Narren in Mainz ohne eine geeignete Halle für die großen Fastnachtssitzungen, bis am 5. Januar 1884 nach fast zweijähriger Bauzeit am Rhein die neue Halle eröffnet wurde.

Bild von der Mainzer Stadthalle
Die Stadthalle zu Mainz

Die Mainzer Stadthalle wurde am Rheinufer auf dem durch Aufschütten des Rheins gewonnen Boden errichtet; sie befand sich an dem Ort, wo heute die Rheingoldhalle steht. Die Stadthalle war eine vom damaligen Stadtbaumeister Eduard Kreyßig entworfene, aufwendige Stahlträgerkonstruktion mit sandsteinverkleideten Außenwänden. Der große Saal in ihrem Innern maß ca. 53 x 27 Meter und bot Raum für bis zu 6.000 Personen.

Damals war die Stadthalle zu Mainz die größte Festhalle in Deutschland. Südlich ihres Haupteingangs befand sich längs des Rheinufers der großzügig ausgelegte, von Bäumen eingerahmte Halleplatz.

Die Mainzer Stadthalle mit dem Halleplatz auf einer alten Postkarte
Der Halleplatz um 1920

Rund zwei Monate vor Kriegsende wurde die Stadthalle am Nachmittag des 27. Februar 1945 bei einem der schwersten Bombenangriffe auf Mainz zerstört.

 

Die Rheingoldhalle

An der Stelle der zerbombten Stadthalle wurde im Sommer 1965 mit dem Bau einer neuen Halle begonnen; nach dreijähriger Bauzeit wurde am 9. November 1968 die Mainzer Rheingoldhalle eröffnet, in der seither die großen Carnevalssitzungen stattfinden. Der Halleplatz war als Parkplatz ausgewiesen und stellte bis Ende der 1960er Jahre das Gelände für die Mainzer Messe (ein großer Jahrmarkt), den Weinmarkt sowie andere Volksfeste.

Der Halleplatz im Jahr 1970, kurz vor Baubeginn des Parkhauses
Der Halleplatz während des Hochwassers Anfang 1970.
Rechts im Bild die Rheingoldhalle, im Hintergrund der Eisenturm

Von 1970 bis 1973 wurde auf dem Halleplatz ein Parkhaus erbaut und gleich auch noch das neue Mainzer Rathaus mit untergebracht, ein schräger und reichlich verwinkelter Bau mit vergitterten Fenstern. Das Dach des Parkhauses auf dem Halleplatz wurde zum Rathausplatz ernannt und zwischenzeitlich wieder nach einem Journalisten und Politiker in Jockel-Fuchs-Platz umbenannt.



Seitenanfang
Portrait| Dichter| Humorist| Bildhauer
Sitemap| Suche| Kontakt
Mainzer Sand Max Ginner M.U.L.E.