Theodor Eichberger (1835-1917)


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Abschied aus der Narrhalla

Ade! du lieber Narrensaal!
Ade, Theaterpersonal;
Wir danken Euch, wie sich's gebührt
Daß Ihr zumeist uns amüsirt.

Den "italienischen Salat",
Den man uns oft serviret hat,
Wir haben lustig ihn gekaut,
Als wäre es Mainzer Sauerkraut!

Die Damensitzung, o wie schön!
Man konnt' vor "Schönheit" fast nicht steh'n;
Und einer ist "verflossen" schier!
Er war zum Glück doch nicht von hier.

Die "kleinen Thiere" fehlten noch,
Doch, wenn auch spät, sie kamen doch!
Sie schickten endlich, uns zum Heil,
Vom "Hausschlüssel" den zweiten Theil.

Dem "Gemsenjäger", "Muckerlein",
"Slowak" und "Karlchen Mießnick klein";
Dem "Handwerksborsch" ist's wohl am best':
In's Wanderbuch ein gut Attest!

Lebt wohl, Ihr "Sprudler" üb'r der Bach,
Wir rufen Euch ein Vivat! nach;
Wo solch ein Sprudel kann gedeih'n,
Da mag das Bad wohl heilsam sein!

Lebt wohl, Ihr Dichter, liederreich,
Lebt wohl, Ihr Redner, sondergleich;
Die, nicht als Handwerk, nur aus Lieb'
Erfaßt der närr'sche Dichtertrieb.

Ihr, die Ihr diesmal, unbekränzt,
Durch Nichtvorhandensein geglänzt;
Denkt an den Mainzer Carneval
Und bessert Euch das Nächstemal!

Ihr Narrhallesen, treu vereint,
Lebt wohl, bis 's nächste Jahr erscheint;
Dann folgt des Rufes Zauberschall:
Es lebe hoch der Carneval!

Theodor Eichberger: Abschied aus der Narrhalla
In: Mainzer Tagblatt Nr. 33 vom 8. Febuar 1874


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