Theodor Eichberger (1835-1917)


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Michels Narrenstudium.

Mel.: Doctor Eisenbart.

Die Narrheit ist des Lebens Kern,
Zimtäterätätä,
Und ihr Professor will ich wer'n,
Zimtäterätätätätä,
Ich will sie durch und durch studir'n,
Zimtäterätätä,
Zimtätera, Zimtätera etc.

Zwar geh ich drum nicht, wie ihr seht,
Auf eine Universität,
Gelehrten Dünkel sind auch viel
Wohl hier als wie in Dünkelsbrühl.

Ich brauch' für meine Narrenstreich'
Nicht Griechisch, Römisch und dergleich':
Ich les' aus jedem kleinen Staat
Nur fleißig das "Regierungsblatt."

Die Bücher sind mir viel zu dick,
Jed' Blättchen macht ja Politik!
Und ist Hebräisch mir zu schwer:
Kenn ich doch die Hebräer sehr!

Und was die Götterlehr belangt,
Davor hat mir noch nie gebangt:
Ich finde ja, in prächt'ger Zier,
Die schönsten Göttinnen allhier!

Ich werd im Greiffenklauer Hof
Auf alle Fäll' ein Philosoph!
Und's Wechselrecht hat keine Kniff,
Fast jede Magd lehrt mich den Pfiff!

Aesthetik macht mir vielen Spaß:
Man find' sie hier auf jeder Gass'!
Musik ist auch ein leichtes Ding,
Wo jeder Bub singt: Tingtingting!

Mit Mathematik nehm' ich's auf:
Ich rechne, Null von Null geht auf!
Das Völkerrecht wird mir intim,
Ich lerne einfach: Haue ihm!

Auf diese Art, ich sag' es frei,
Da lern' ich mehr an Narrethei,
An Mucken im Philisterstaat,
Als Reichstag sammt Ministerrath.

Und lohnt man meine Narrheit sehr
Mit Dotationen, groß und schwer,
Dann such ich mir mein Barzin aus:
Und lache alle Narren aus.

Theodor Eichberger: Michels Narrenstudium
Gesungen in kleinen Vereinen zur Fastnachtszeit 1874


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