Theodor Eichberger (1835-1917)


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Onkel Kasper oder Agentur Amoroso

Mainzer Localkuß mit Singsang in 2 Actien

Scan eines Plakates zur Aufführung

Auf seiner Vorstandssitzung am 28. Dezember 1878 erwählte der Humoristische Thierkreis Theodor Eichbergers Bühnenstück "Onkel Kasper" zur Carnevalsposse aus. Das Stück wurde auf der ersten Damensitzung des Vereins am 19. Januar 1879 im Frankfurter Hof zu Mainz uraufgeführt und bei der zweiten Damensitzung im Februar 1879 wiederholt.

Leider liegt mir der Text dieser Posse nicht vor, sondern lediglich ein Flugblatt mit der Ankündigung für die Aufführung sowie eine Reihe von Zeitungsausschnitten, welche die Aufführung ankündigen bzw. den Verlauf der beiden Damensitzungen beschreiben:

"Die Aufführung des Stücks war eine äußerst wohlgelungene und bemühten sich die sämmtlichen fast alle aus alten Carnevalsschauspielern bestehenden Mitwirkenden ihr Möglichstes zum Gelingen des Ganzen beizutragen, so daß man in der That die Dillettanten vollständig vermißte. - Das Stück selbst ist eine urgelungene mit reichen Witzen gespickte Mainzer Lokalposse, deren Stoff gut gewählt ist."

(Neuer Mainzer Anzeiger Nr. 17 vom 21. Januar 1879)

"Die preisgekrönte Carnevalsposse 'Onkel Kasper oder Agentur Amoroso' von Th. Eichberger riß zu stürmischem Beifall hin. Das närrische Auditorium rief den Verfasser am Schlusse seines Werkes mit Enthusiasmus hervor und dieser wurde in Anbetracht der großen Verdienste, welche er sich um die Narrheit erworben, mit einem Lorbeerkranze beehrt."

(Mainzer Tagblatt Nr. 17 vom 21. Januar 1879)

Hoftheater des "Humoristischen Thierkreis"


Tag der Aufführung, wann's gegeben wird.

Zum erstenmale:

Onkel Kasper

oder

Agentur Amoroso

schwindelndes Heirathsbureau in Dammstadt.

Mainzer Localkuß mit Singsang in 2 Actien

von rodoehT regrebchiE aus Seeligenliegenstadt.

Musik von gatierF.

Regie: Herr tdrhaB.

Personen:

Kasper, wohlgenährter Käs'- und Butterbrodrentner, ein guter Kerl

Herr ttimchslegnilK

Amanda, seine Frau, eine Vollbluth-Mainzerin mit Taubengemüth

Herr ckloV

Röschen, seine Nichte, ein heirathsfähiges Mädchenmit verliebten Naslöchern

Herr nietS

Melcher, Kasper's Freund, pensionirte Leimpfann, auch Rentner

Herr rezleS

Balzer, Kasper's Freund, pensionirter Stallmeister, von grünen Wagen

Herr ffieR

Lorenz Melcher, Melcher's Neffe, ein früher krummbänig, jetzt grad gewachsener Jüngling, verliebt Ooos

Herr ckenuarB

Preller, Agentur-Besitzer in Dammstadt, Schwindelmeier, Norddeutsch Gewächs

Herr rechsiF

Leonore Dusterklang, dessen Haushälterin, odenwälder Abkunft, schmachtendes Geschöpf

Herr regeirK

Findig, Schreiber bei Preller, ein schon Monate nach Gage schmachtender Schwewwelmacher

Herr enhoB

Zwikauer, ein durch das Gesetz privilegirter Zwiker und Schächter, ehrlicher Charakter

Herr redienchS

Dine, Köchin bei Kasper, ein an die Familie gefrorner schwäbischer Küchendragoner

Herr reckedniW


Die erste Actie spielt in der gut Stubb von Onkel Kasper. Die zweite 2880 Minuten später in Dammstadt, in dem Bureau des Preller, von wo aus man durch das im Hintergrunde nicht angebrachte Fenster die herrliche Gegend sieht.

Wo die stolze Hackel und duftige Zwiwwel blüht.

Zeit

wie es war,

wie es ist

und wie es wird

oder

Vergangenheit,

Gegenwart,

Zukunft.


Wenngleich die Namen der Mitwirkenden auf dem Flugblatt rückwärts gedruckt sind, so lassen sich doch auf den ersten Blick eine Reihe alter Mainzer Fassenachter jener Zeit identifizieren:

Franz Klingelschmitt (als Onkel Kasper), damals Präsident des Humoristischen Thierkreis

Carl Volk (als Amanda),

Jean Bohne (als Schreiber Findig), neben Th. Eichberger 1876 und 1877 Mitherausgeber des Mainzer Schwewwel.

Herr Windecker (als Köchin Dine), der zwischen 1882 und 1886 die Satirezeitschrift "Windeckers Wucherpille" herausgeben sollte.



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