Theodor Eichberger (1835-1917)


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Betrifft: Ein Stündchen in der Schule

Es handelte sich bei "Ein Stündchen in der Schule" um ein humoristisches Bühnenstück, bei dem ein Lehrer eine Klasse von fünf Knaben unterrichtet, die in der anschließenden Prüfung sämtlich versagen. Den Lehrer spielte Theodor Eichberger selbst.

Diese Posse wurde am 30. Januar 1881 bei einer Abendunterhaltung der Seligenstädter Gesellschaft Concordia aufgeführt, deren Erlös wohltätigen Zwecken zugute kam. Wenige Tage nach der Aufführung erschien als Reaktion auf das Stück im Seligenstädter Anzeiger ein sehr aufgebrachter Leserbrief:

"Seligenstadt. (Eingesandt.) Unter überaus zahlreicher Betheiligung fand am verflossenen Sonntage im "Frankf. Hofe" dahier die mehrerwähnte vom Vereine "Concordia" veranstaltete Abendunterhaltung statt. Leider wurde die sichtlich sehr animirte Stimmung, in welche der recht hübsch durchgeführte musikalische Theil des Programmes das dankbare Publikum versetzte, durch den nachfolgenden dramatischen Theil, einer sogenannten "Local-Posse", gewaltsam abgeschwächt. wir wollen, und können zwar vorläufig nicht annehmen, daß den Dichter bei Abfassung seiner Parodie, oder den Vereinsvorstand, indem er die Aufführung derselben gestattete, unedle Intentionen geleitet hätten. Da es aber immerhin leicht den Anschein haben könnte, als gefalle man sich vielleicht in der Herabwürdigung der Schule und des Lehrerstandes durch Vorführung absurder Carricaturen, oder etwa in der Verhöhnung vorzugsweise localer Institutionen durch zweifelhafte Krittelwitze, so sollte man doch schon aus diesem Grunde ein anständiges Auditorium mit einem derartigen Conglomerate, im Sinne der öffentlichen Meinung, füglich verschonen."

(Seligenstädter Anzeiger Nr. 11 vom 5. Februar 1881)

Vermutlich war das Stück eine in gewohnter Weise treffende Karikatur. Mit einer "Abfertigung" reagierte Theodor Eichberger wenige Tage später im selben Blatt auf diesen Leserbrief:

Abfertigung.

Durch mehrtägige Abwesenheit verhindert, kann ich erst heute den aufgeregten Ungenannten, welcher in einem grimmen "Eingesandt" in Nr. 11 ds. Bl. mein 'Stündchen in der Schule' unzweifelhaft bekritteln und abmurksen wollte, abfertigen.

Der Gebrauch, die Schule als Sujet für komische Darstellungen zu benutzen, ist wohl schon so alt wie diese selbst, und es dürfte bei uns kaum eine größere Ortschaft geben, wo solche noch nicht zur Aufführung gelangt sind. Daß aber dadurch die Schule und der Lehrerstand herabgewürdigt worden wären, wird gewiß kein vernünftiger Mensch behaupten wollen, denn sonst hätten ja beide gar nicht zu ihrem jetzigen hohen Ansehen gelangen können. Es müßte in der That auch sehr traurig um die Würde der Lehrer bestellt sein, wenn dieselbe durch harmlose Scherze oder s. g. zweifelhafte Krittelwitze herabgewürdigt werden könnte. Allerdings mag es Leute geben, welche dies nicht recht begreifen können, aber diese sollten sich wenigstens nicht anmaßen, ihre erwachsenen Mitmenschen schulmeistern zu wollen. Oder sollten vielleicht die 'zweifelhaften Krittelwitze' doch nicht so ganz zweifelhaft gewesen sein? - Wenn dieser unzweifelhafte Bekrittler von 'absurden Carricaturen' spricht, so kann er damit nur die Rollen der Schulbuben gemeint haben, denn der 'Schullehrer' war von mir in einem Costüm dargestellt, dessen sich auch der angesehenste Lehrer in Wirklichkeit nicht zu schämen brauchte. Aber auch die 'Schulbuben' waren so costümirt, daß sich jeder Lehrer freuen dürfte, wenn ihm keine schlechter gekleideten zu Gesicht kämen. Meine 'Buben' waren nur etwas stark entwickelt, was freilich einen drastischen Eindruck machte. Demnach hätte höchstens die liebe Schuljugend Ursache, sich in ihrem 'Ansehen' verletzt zu fühlen; diese vernünftigen Knaben haben aber bis heute kein 'Eingesandt' verübt. - Wo ein so anständiges Auditorium vielfachen Beifall spendet und, trotz sehr vorgerückter Stunde, bis zum Schlusse ausharrt, da hat gewiß keine 'Verhöhnung lokaler Institutionen' stattgefunden, denn gerade dieses Auditorium hätte Derartiges sicherlich nicht in der Weise aufgenommen, und es ist eine große Taktlosigkeit, ihm solches insinuiren zu wollen. Diese totale Begriffsverwirrung läßt sich höchstens durch die Annahme entschuldigen, daß besagter Unzweifelhafter vielleicht die Sache nur vom Hörensagen kennt und gar nicht selbst zu diesem anständigen Auditorium gehört hat. Aber Jemand, der selbst keinen Pfennig für die Armen beigesteuert hat, sollte doch deren Wohlthäter nicht beleidigen!

Ein Ungenannter hat zwar mit einem zweifelhaften Muth den Deckmantel der Anonymität benutzt, um das jedenfalls wohlgemeinte und uneigennützige Streben einer Gesellschaft anständiger Bürger in gehässiger und verdächtigender Weise öffentlich zu bekritteln - die öffentliche Meinung wird aber wohl wissen, was sie davon zu halten hat.

Th. Eichberger.

(Seligenstädter Anzeiger Nr. 13 vom 12. Februar 1881)



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