Theodor Eichberger (1835-1917)


⌂ Home > Humorist > Carneval > Werk > 1898:

Der große Fastnachts-Zug 1897 in Seligenstadt

Mel.: mein Lebenslauf ist Lieb' und Lust.

Wir stimmen nun ein Liedlein an
Vom großen Fastnachtszug!
Die Jägergruppe zog voran,
Jagdbeute gab's genug.
Herr Kaiser Karl der Große hat
Entdeckt bei dieser Fahrt
Lieb Emma froh in Sel'genstadt,
Nebst ihrem Eginhard.
Heidajuchhe, heidajuchhe,
Nebst ihrem Eginhard.

Dazwischen stolze Kriegerschaar'n
Mit Schilden, riesiggroß,
Die zwar von Pappendeckel war'n,
Doch hielten sie famos!
Waldteufel, Hexe, Gnomen klein
Auch kamen da an's Licht,
Der Teufel aber holte kein',
Die Hex' verhexte nicht.
Heida etc.

Am großen Hofbräufaß erkannt'
Man gleich's Gambrinusreich.
Für Jeden, der verspürte Brand,
Folgt's Rothe Brünnchen gleich.
Narr Borgenheimer, der ja hell/
Theilt' Wickelkindchen aus,
Und manch damal'gem Junggesell
Kommt drum der Storch in's Haus!
Heida etc.

Den Radlern hoch zu Roß ritt vor
Und blies Fanfarengruß
Das richt'ge Mainzer Musikcorps,
Nur ging's dabei zu Fuß.
Dann folgt' das Türkische Serail;
Der Moslems Herrlichkeit,
Als kam's aus Stambul alleweil,
Doch warn's von uns're Leut.
Heida etc.

Die Klepperbuben, wenn auch klein,
War'n groß beim Carneval;
Raubritter kamen hintendrein:
Die werden niemals all!
Hei, wie die Prinzengarde blinkt;
Auf Kampf und Sieg erpicht;
Die Losung hieß: "Die Garde trinkt,
Doch übergibt sich nicht!"
Heida etc.

Daß grad chinesische Musik
Den Marsch der Garde blies.
War damals wohl schon Politik,
Was jüngst sich erst erwies;
Wo die Chinesen kamen her,
Wußt niemand da genau,
Jetzt ist die Lösung nicht mehr schwer:
Anscheins aus Kiao-Tschau!
Heida etc.

Prinz Carneval auf hohem Thron
begrüßt die Narrenschaar,
Was ja der allerhöchste Lohn
Für alle Narren war.
Voll Stolz fuhr's Comité voran;
Das Narrenschifflein, seht!
Die Gruppe war, so hörte man,
Ja grad wie hingedreht.
Heida etc.

Dem Wildpark folgte raachbereit,
Die Eisenbahn - welch' Kohl!
Doch still davon, Bescheidenheit
Ist eine Zier ja wohl.
Die Damenturnrieg', ei wie glatt
Thät's bei den Mägdlein geh'n!
Nach 1000 Jahren Sel'genstadt:
Nun, wer's erlebt, wird's seh'n.
Heida etc.

Das Elektrizitätswerk, ach,
Woran's uns noch gebricht,
Kam, leider, so ganz hintennach
Und's thät doch Noth mehr Licht -
Doch's Beste sei getheilt noch mit,
Zum fröhlichen Beschluß:
Statt dem verpönten Deficit
Gab's einen Ueberschuß!
Heida etc.

Theodor Eichberger: Der große Fastnachts-Zug 1897 in Seligenstadt
In: Lieder zur Carnevalistischen Damen- und Herren-Sitzung im 'Frankfurter Hof' in Seligenstadt am Sonntag, den 30. Januar 1898


Seitenanfang
Portrait| Dichter| Humorist| Bildhauer
Sitemap| Suche| Kontakt
Mainzer Sand Max Ginner M.U.L.E.