Theodor Eichberger (1835-1917)


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Der Blumen Rache.

Frei nach Freiligrath

Von dem Morgengang, dem frühen,
Ist die Jungfrau heimgekommen,
Als Mama, Papa soeben
Ihren Kaffee eingenommen.

In den zarten Händen trägt sie
- O wie sie der Duft entzückte! -
Einen großen Strauß von Blumen,
Duft'ge, bunte, frischgepflückte.

Die Mama wünscht gern zu wissen:
Wer der Tochter ihn verehrt hätt'?
Wo die Blumen sind gewachsen,
Der Papa auch gern gehört hätt'.

Doch die Jungfrau hört's mit Schweigen!
Plötzlich, horch! ein leises Flüstern!
In den Blumen, in den Zweigen
Lispelt es und rauscht es lüstern.

Aus den Blütenkelchen schweben
Geistergleiche Duftgestalten,
Und sie nahen sich den Ohren
Der neugier'gen beiden Alten;

Flüstern von verbotnem Treiben
Und von frevelndem Bemühen,
Ueberschreitung jener Grenzen,
Die da Sitt' und Anstand ziehen!

Die Mama denkt sich das Aergste!
"Ha! von wem?" hört man sie fragen.
Der Papa, im Zorne stampfend,
Ruft: "Woher? sollst du mir sagen!'

Und die Jungfrau, bleich vor Schrecken,
Spricht, und ihre Thränen glänzen:
"Ach, ich konnt' nicht widerstehen,
In der Anlag' sie zu - strenzen!"

Theodor Eichberger: Der Blumen Rache. Frei nach Freiligrath.

 



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