Theodor Eichberger (1835-1917)


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Glossen über den Kolonialismus

Während Spanien, Portugal, England und Frankreich die Welt unter sich aufteilten, hatten die Regierenden im Deutschland, Kaiser Wilhelm I. und der Kanzler Bismarck, zunächst kein Interesse an Kolonien. Nur einige deutsche Kaufleute erwarben zu Beginn der 1880er Jahre verschiedene Gebiete in Afrika, u.a. "Deutsch-Südwestafrika" und "Deutsch-Ostafrika".

Mitte der 80er Jahre lenkte Bismarck ein und unterstützte nun den Kolonialismus, von dem er sich einen Nutzen für seine politischen Ziele erhoffte. Als 1888 Der Enkel von Wilhelm I., Kaiser Wilhelm II. den Thron bestieg, wollte dieser durch den Besitz von Kolonialgebieten Macht und Ansehen Deutschlands stärken, um sich ähnlich England und Frankreich als Weltmacht präsentieren zu können. 1891 ließ der Kaiser sämtliche deutsche Kolonien dem Auswärtigen Amt als sog. "Schutzgebiete" unterstellen.

Nach diversen größeren und kleineren Gebieten auf dem afrikanischen Kontinent sowie Neu-Guinea, die seit den 80er Jahren in Besitz genommen worden waren, erwarb das Kaiserreich 1897 das Pachtgebiet Jiaozhou in der chinesischen Provinz Shandong und ergriff im Jahre 1900 Besitz von West-Samoa in den Polynesischen Inseln.

Der Unterhalt der Kolonien war für Deutschland mit hohen Kosten verbunden, die von den Gebieten nicht erwirtschaftet wurden. Im ersten Weltkrieg wurden die deutschen überseeischen Besitzungen recht bald von den Gegnern Deutschlands besetzt, und Im Versailler Vertrag vom 28. Juni 1919 musste das Deutsche Reich schließlich seinen Verzicht auf sämtliche Kolonien erklären.

Von den Humoristen wurden die deutschen Kolonialversuche selbstverständlich kritisch beleuchtet. Wenn in diesen humoristischen Texten aus dem 19. Jahrhundert die Rede von "Negern" ist, so ist dies keineswegs despektierlich gemeint und hat auch keinen rassistischen Hintergrund; vielmehr sei darauf hingewiesen, dass der Ausdruck "Neger (von lat. niger - die Farbe schwarz) in der deutschen Sprache über Jahrhunderte die übliche Bezeichnung für Afrikaner von dunkler Hautfarbe war und bis weit ins 20. Jahrhundert ein durchaus gebräuchliches Wort ohne jede negative Konnotation darstellte, welches erst mit der in den 1980er Jahren aufgekommenen Political Correctness einen diskriminierenden Charakter erhalten hat.



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