Theodor Eichberger (1835-1917)


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An den Colorado-Käfer.

So bist du endlich doch zu uns gekommen,
    Verderbenbringendes Insekt!
Ach, alle Vorsicht sollte uns nichts frommen,
    Wie schaudernd man entdeckt.

Gefräßig Thier! Die Armuth hört's mit Grauen,
    Daß man auch Dich noch zu uns trug.
Was suchst du denn in unsern deutschen Gauen?
    Wir haben Noth genug!

Was trieb Dich Unthier zu der langen Reise;
    Macht dich Amerika nicht satt?
Willst du noch unserm Volk die letzte Speise
    Verkürzen, die es hat?

Soll sich das Schauderhafteste erfüllen
    Daß eine Hungersnoth uns quält?
Wie soll der Arme seinen Hunger stillen,
    Wenn die Kartoffel fehlt? -

Gleich einem Räuber kommst Du ungeladen
    Und schaffst Verderben um Dich her;
Des Landmanns Fleiß zerstörst Du, seine Saaten,
    Gleich einem Kriegesheer!

So klein du bist, geflügelt' Ungeheuer,
    Wirst Du doch nur mit Furcht genannt;
Du fällst wie eine neue, schwere Steuer
    Aussaugend auf das Land.

Und hat man Dich vereinzelt kaum gesehen,
    Vermehrst Du Dich als wahre Qual,
Schnell wie die europä'schen Staatsanlehen
    Zur Milliardenzahl. -

Doch magst Du auch im Finstern zu uns schleichen,
    Wir stehen wachsam auf der Huth;
Bald wird Dich, Käfer, das Gesetz erreichen,
    Sammt Deiner ganzen Brut.

Du wirst verbrannt! wie jüngst schon nach Berichten
    Regierungsseitig ist gescheh'n;
Man wird Dich mit Petroleum vernichten,
    Da mußt Du untergeh'n!

Du sollst uns die Kartoffeln nicht verzehren,
    Hier schützt uns selbst der Staat nach Pflicht.
Wir können vieles And're wohl entbehren,
    Doch - die Kartoffeln nicht!    
Theodor Eichberger: An den Colorado-Käfer.
In: Mainzer Schwewwel, II. Jg, Nr. 27 vom 8. Juli 1877


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