Theodor Eichberger (1835-1917)


⌂ Home > Humorist > Werk > Satire > Die Orientfrage:

Die Orientfrage

Das Osmanische Reich expandierte seit dem 14. Jahrhundert gen Westen; bis zum Ende des 16. Jahrhunderts hatten die Türken ganz Nordafrika, den Nahen Osten, die arabische Halbinsel, viele Länder rund ums Schwarze Meer sowie Griechenland und den Balkan erobert, und in zwei gescheiterten Versuchen wollten sie 1529 und 1683 gar Wien einnehmen.

Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts dehnte nun auch das imperialistische Russland sein Staatsgebiet durch Eroberung der angrenzenden Gebiete aus: 1686 trat Russland zum ersten Mal in einen Krieg mit dem Osmanischen Reich ein, was den Auftakt zu einer Serie von Kriegen zwischen den beiden Reichen bildete. Während des Griechischen Unabhängigkeitskriegs (1821-1832) - zwischen England und Frankreich auf der einen sowie der Türkei und Ägypten auf der anderen Seite - trat Russland zum 7. Mal in einen Krieg gegen die Türken. Im Frieden von Adrianopel wurden 1829 die beiden Donaufürstentümer Walachei und Moldau autonom und unter ein russischen Protektorat gestellt.

Der Krimkrieg

Als 1853 der osmanische Sultan eine Schutzherrschaft Russlands über die orthodoxen Christen im Osmanischen Reich ablehnte, besetzte Russland die beiden Donaufürstentümer. Das Osmanische Reich erklärte Russland den Krieg, worauf Russland die osmanische Flotte im Schwarzen Meer zerstörte. England und Frankreich standen der Türkei bei und nahmen die Stadt Sewastopol auf der Halbinsel Krim ein, den Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte. 1856 endete der Krimkrieg mit dem Frieden von Paris in einer Niederlage für Russland.

Der Russisch-Türkische Krieg 1877-1878

Im Juli 1875 erhoben sich die Christen in Herzegowina und Bosnien gegen die osmanische Herrschaft. Serbien und Montenegro erklärten der Türkei im Juli 1876 den Krieg. Im April 1877 erklärte der russische Zar Alexander als Beschützer der slawischen Völker auf dem Balkan der Türkei den Krieg, und besetzte wieder die beiden Donaufürstentümer Walachei und Moldau, die sich 1862 zum Staat Rumänien zusammengeschlossen hatten, aber noch immer unter türkischer Kontrolle lagen. Im Juni 1877 marschierten die Russen in Bulgarien ein, wo sie im Dezember 1877 auch die türkische Festung Plevna eroberten. Die russischen Truppen drängten die Türken auch im Kaukasus und auf dem Balkan zurück und standen Ende Januar 1878 schließlich vor Konstantinopel. In dem Vorort San Stefano diktierten die Russen den Türken einen Friedensvertrag, in dem die Türkei die Unabhängigkeit Serbiens, Montenegros und Rumäniens anerkennen musste.

Um einen weiteren Krieg zu verhindern, revidierten die Großmächte auf dem Berliner Kongreß im Juni 1878 diesen Vertrag allerdings wieder in Teilen, indem der russische Einfluss im Balkan wieder beschnitten und Bulgarien geteilt wurde: der Teil Bulgariens namens Mazedonien blieb unter türkischer Herrschaft.



Seitenanfang
Portrait| Dichter| Humorist| Bildhauer
Sitemap| Suche| Kontakt
Mainzer Sand Max Ginner M.U.L.E.