Theodor Eichberger (1835-1917)


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Glossen über die Eisenbahn

Die Eisenbahn, ihre Erfindung und der rasche Ausbau des Schienennetzes war eines der bedeutendsten Ereignisse im Leben der Menschen des 19. Jahrhunderts. Ehemals strapaziöse Tagesreisen schrumpften auf einige wenige kurzweilige Stunden zusammen, die man bei - für damalige Verhältnisse - irrsinnigen Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h zubrachte. Doch hatte der Mensch seine neue Technologie noch nicht im Griff, denn explodierende Dampfkessel, Brände und Eisenbahnunglücke lagen zu jener Zeit an der Tagesordnung.

Grafik von 1854: Lokomotive mit zwei Anhängern

Am 15. Dezember 1845 wurde die Hessische Ludwigs-Eisenbahngesellschaft (kurz: "Ludwigsbahn") in Rheinhessen gegründet; 1853 nahm die Eisenbahngesellschaft den Fahrbetrieb mit sechs Lokomotiven und 66 Waggons auf. Die Provinzhauptstadt Mainz war durch ihre Ludwigsbahn zunächst mit einigen rheinhessichen Dörfern und mit der Stadt Worms im Süden verbunden. Im Mainzer Stadtgebiet verlief die Bahntrasse ursprünglich auf Höhe der Rheinstraße längs des Rheinufers, der Mainzer Hauptbahnhof befand sich gegenüber dem Holzturm am Holztor.

Foto des alten Mainzer Hauptbahnhofs
Der ehemalige Mainzer Hauptbahnhof in der Rheinstraße (1853-1884)

Im Jahre 1859 folgte im Gartenfeld ein weiterer Bahnhof für die Rheinbahn zwischen Mainz und Bingen im Nordwesten; der Bahnhof Gartenfeld befand sich in der Rheinallee zwischen Josefs- und Frauenlobstraße. Allerdings konnten zwischen dem Hauptbahnhof am Holztor und dem Bahnhof Gartenfeld aufgrund Platzmangels keine Gleise verlegt werden, wodurch es zunächst auch keine Eisenbahnverbindung zwischen der Strecke nach Worms und der nach Bingen gab.

Anschluss nach der rechten Rheinseite bot die Taunusbahn mit ihrem Bahnhof im Vorort Kastel, zu dem man vom Fischtor aus mit Fährbooten oder zu Fuß über die Schiffbrücke gelangte; die Taunusbahn bestand aus einer Strecke zwischen Wiesbaden und Frankfurt. Die Hessische Ludwigsbahn verband Mainz auch mit der anderen Rheinseite: zwischen der Weisenauer Straße in Mainz und dem Gustavsburger Bahnhof verkehrte ein Trajekt, d. h. ein Dampfschiff, das die Waggons über den Rhein beförderte. Ende 1862 wurde die Eisenbahnbrücke über den Rhein fertiggestellt und in den folgenden Jahren das Streckennetz der Hessischen Ludwigsbahn in der rechtsrheinischen Provinz Starkenburg bis Hanau, Aschaffenburg, Mannheim und in den Odenwald ausgebaut.

Foto Eisenbahnbrücke
Die 1862 fertiggestellte Eisenbahnbrücke über den Rhein

In Mainz war in den 1870er Jahren bereits ein Bahndamm mit 11 (!) parallel verlaufenden Gleisen in der Rheinstraße geplant worden, wobei die Stadt durch eine 200 m lange Unterführung am Fischtor mit dem Rheinufer verbunden werden sollte. Nur der visionären Weitsicht und dem Einsatz des damaligen Stadtbaumeisters Eduard Kreyßig ist es zu verdanken, dass dieser Plan nicht ausgeführt wurde: zwischen 1880 und 1884 wurde die Eisenbahntrasse vom Rheinufer an ihren heutigen Verlauf am Westrand des Stadtkerns verlegt, so dass das Mainzer Rheinufer heute von einer Promenade - und nicht von einem riesigen Rangierbahnhof - geziert ist. Im Zuge der Bahnumführung wurden auch die Hessische Ludwigsbahn und die Rheinbahn miteinander verbunden sowie außerhalb der Stadtgrenze vor dem Münstertor der neue Centralbahnhof, der heutige Mainzer Hauptbahnhof errichtet. Das Münstertor der alten Festungsanlagen befand sich dort, wo heute die Binger Straße auf den Münsterplatz trifft.

Bild des ehemaligen Münstertors
Das ehemalige Münstertor

Dass Theodor Eichberger mit Vorliebe die Eisenbahn aufs Korn nahm, verwundert nicht angesichts des Umstandes, dass der Humorist von diesem Verkehrsmittel regen Gebrauch machte. Zwar hatte er im Jahre 1875 seinen Wohnsitz nach Seligenstadt am Main verlegt, doch hatte er zwischen Oktober 1876 und Dezember 1877 allwöchentlich in Mainz zu tun, wo sich das Redaktionsbüro des Mainzer Schwewwel befand; auch zu Vereinssitzungen und besonders zur Fastnachtszeit begab er sich bis ins hohe Alter regelmäßig in seine Geburtsstadt.



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