Theodor Eichberger (1835-1917)


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Schnitzspähne (1), Moguntia 35/1875

[Hartgesottene Eier im Bahnhof]

Beim letzte 1 Brand im Bahnhof draus,
Do hot verzählt m'r sich mit Graus,
Ein tapfrer, deutscher Kriegersmann
Des Guten gar zu viel gethan;
Dann's gab do bei dem Feuer
Umsunst gebrot'ne Eier!

Er schluckt, als wann's Commißbrot wär!
Doch is die Kost so hart un schwer,
Daß selbst der wack're Kriegersmann
Sie nit so recht vertrage kann,
Un statt durch's Kugelfeuer,
Fällt er durch harte Eier!

Er fiel, dieweil er jedenfalls
Die Eier aß ohn' Salz und Schmalz;
Drum zieht daraus e gute Lehr',
Un gebt dem tapfre Militär
Doch bei dem nächste Feuer
Den Speck aach zu de Eier!

 

Am Abend des Samstag, 22. Mai 1875, war in der Ladehalle am Hauptbahnhof der Ludwigsbahn (damals noch am Rheinufer) ein Feuer ausgebrochen, das die Halle mitsamt Umschlagsware in Schutt und Asche gelegt und auch einen Güterzug in Mitleidenschaft gezogen hatte;
Zitat aus der Tagespresse:

"Es werden mancherlei Episoden erzählt; u. A. war unter den angekommenen Gütern ein großer Vorrath italienischer Eier, welche durch die Hitze alsbald hart gesotten wurden; mehrere Soldaten des aufgestellten Pickels konnten, wie man sagt, dieser Lockung nicht widerstehen und es soll namentlich Einer davon sich mit solcher Ausdauer dem Genuß der harten Eier hingegeben haben, daß er die Folgen davon im Lazareth zu verbüßen hätte."

( Mainzer Anzeiger Nr. 119 vom 25. Mai 1875)

 

1  An dieser Stelle hatte bereits ein Jahr zuvor eine Ladehalle gebrannt

Theodor Eichberger: Schnitzspähne.
In: Moguntia. Unterhaltungsblatt zum Neuen Mainzer Anzeiger.
Mainz: Schaefer, Nr 35, 30. Mai 1875


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