Theodor Eichberger (1835-1917)


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Prospekt zum Mainzer Schwewwel

Eine beidseitig bedruckte Werbeschrift kündigte im September 1876 das baldige Erscheinen des "Mainzer Schwewwel" an.

Als Blickfang ist auf dem Prospekt das Konterfei eines schelmisch grinsenden Knaben abgebildet, welches das Markenzeichen des bereits seit 1848 von David Kalisch in Berlin herausgegebenen Satireblattes Kladderadatsch war.

Prospekt oder: Was dahinter steckt!!!


Mit dem 1. October dieses Jahres erscheint etwas Neues und Rares, das ohne Unterschied zu Felde zieht gegen Alles, was da ist dämlich und grämlich, nämlich:

Mainzer Schwewwel.

Ein lyrisch-satyrisch-humoristisch-

undsoweiterisches Tageblatt;

das alle Wochentag' vereint

und jeden Sonntag neu erscheint.

Grafik des grinsenden Jungen auf dem Flugblatt

Herausgegeben von Th. Eichberger und J. Bohne

Jede Großstadt hat ihr Witzblatt, ja es sind welche dabei, die haben sogar zwei und drei! Und Mainz hat noch keins, das ausschließlich und ersprießlich den Witz und Humor, der in ihm ruht, aufsammelt als allgemeines Gut. Und doch kann man, ohne viel zu wagen, prophetisch von unserer Stadt jetzt sagen:

Mainz wird Großstadt,

sobald es erst das "Moos" hat. Platz ist bald da für vier Millionen! Das heißt, nicht für so viele Menschen zum wohnen, sondern vergebet uns unsere Schulden, der Platz kostet bloß diese vier Millionen Gulden! Und gerade wegen dieser schuldigen Erweiterung braucht man mehr geduldige Erheiterung

und braucht so ein Witzblatt,

wo der Humor seinen Sitz hat, damit man kann etwas lustigeres lesen, als, daß alles "billig und schlecht ist gewesen";

wo sich die witzigen Köpfe vereinen!

Die Zeit ist schlecht, so jammern die einen; die anderen sagen, das ist nicht recht, ihr macht die Zeit nur selbst so schlecht; und jeder klagt und lamentirt. Wir aber wurden von dem Jammer gerührt und möchten erheitern die Großen und Kleinen,

drum lassen wir den "Schwewwel" erscheinen.

Und Stadt wie Staat, das ist erwäglich, sie liefern uns den Stoff alltäglich, dieweil darin noch unentdeckt, ein "großer Fonds" von "Schwewwel" steckt.

Und alle, die durch frischen Humor

bekannt sind im Land, wir führen sie vor; denn hier gibt's viele lustige Gesellen, die ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen; sie tragen es keck und meisterhaft vor

und Witz und Satyre leuchten hervor;

ja, wir können sie Meister schon nennen, und zwar richtige, tüchtige! Und sie werden mit ihren besten Sachen uns beistehen um rechten Schwewwel zu machen;

und alle die Redner und Dichter,

welche Mainz, die berühmte Carnevalsstadt, sonst nur zur Zeit der Fastnacht als hat,

sie werden da leuchten als Lichter!

Doch daß der Spaß, den wir, trotz der schlechten Zeiten, bereiten, auch möge recht heilsam sein:

Drum laden wir zum Abonnement ein,

alle die lieben Mädchen und Frauen, damit sie den "Schwewwel" der Männer erschauen; denn darüber schenken wir reinen Wein ein

und hoffen wir werden willkommen sein.

Und die Männer, die starken, die Herrn, wir haben sie als Abonnenten sehr gern; gleichviel zu welcher Partei sie gehören und welche Confession sie verehren; ob sie hier oder auswärts wohnen; ob mit oder ohne Dotationen; wenn sie nur abonnieren und unseren "Schwewwel" führen; alles Uebrige ist uns ganz egal.

Der "Schwewwel" erscheint dreizehnmal,

und denkt nicht an die böse Zahl, weil man zu dreizehnt nicht gern ißt — hier sieht man, daß es "Schwewwel" ist, der erscheint dreizehnmal,

für eine Mark, jedwed Quartal,

doch nicht nur Abonnenten allein, auch jeden Anderen laden wir ein, dem da in Stadt und Land, des Lebens Unverstand, so jämmerlich und kläglich, manchmal wird unerträglich, so daß er grollt mit wüthigen Geberden — nur kaltes Blut! — dem Mann kann geholfen werden:

Einzelne Nummern, Stück für Stück,

von unserem "Schwewwel" führen ihn zurück auf jene Weisheitsbahn, die philosophisch sagt: "Was liegt mir dran!" — Und auch die Lebenslustigen, die nach Neuem durstigen, und die "minder Bemittelten" und nicht betitelten, die vom Glück nicht viel erraffen, können jede Nummer sich verschaffen,

für nur ein Zehn-Pfennigstück!!!

Und somit empfehlen wir auf gutes Glück unsern "Schwewwel" als neuesten "Streber!"

Mainz, im September 1876.

Die Herausgeber

Scans des Originalflugblattes (Größe je 110 kb):

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Theodor Eichberger: Prospekt oder: Was dahinter steckt!!!
Flugblatt vom September 1876 zur Ankündigung des Mainzer Schwewwel


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