Theodor Eichberger (1835-1917)


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Mainzer Carneval - Die Fassenacht im 19. Jh.

Das 19. Jahrhundert war die Zeit des politisch-literarischen Carnevals. In dem noch jungen, von Reichskanzler Bismarck dominierten Kaiserreich erlebte die politische Fastnacht in den 70er und 80er Jahren eine Blüte. Noch spielte die Zensur eine Rolle, die bürgerliche Revolution des Jahres 1848 war gescheitert, und die Kirche übte noch immer großen Einfluss auf Bevölkerung und Regierungen aus. Zudem wurden in einem nie gekannten Ausmaß Steuern und Zölle eingeführt oder angehoben. Die Stadt Mainz litt sowohl unter ihrem Festungsdasein - und der damit verbundenen Platznot - als auch unter der Willkür durch die Regierung des Großherzogtums in Darmstadt. Vor diesem Hintergrund boten die Narrenkappe und die Bütt' dem aufgeklärten aber politisch machtlosen Bürgertum jedes Jahr für kurze Zeit die Möglichkeit der Flucht ins Narrenreich - die Narrhalla; dort, wo man unter dem Deckmantel der Fastnacht und in witzigen Worten öffentlich seinen Unmut über die herrschenden Zustände verkünden konnte. Politische Ereignisse in der Welt, im Reich und im Großherzogtum waren neben der Stadterweiterung die zentralen Themen der Mainzer Fastnacht im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Fastnachtsorden aus dem 19. Jh.
Fastnachtsorden aus dem 19. Jh.

Die bedeutendsten und erfolgreichsten Büttenredner der Mainzer Fastnacht des 19. Jahrhunderts hatten in den kleineren Carnevalsvereinen angefangen, unter denen der Humoristische Thierkreis mit seiner guten Organisation besonders hervorzuheben ist; dem Verein "Humoristischer Thierkreis" entsprangen viele Carnevalsredner, die mit ihren Vorträgen auf den großen Narrhalla-Sitzungen der Saalfastnacht in Mainz überzeugten.

Das Publikum der Carnevalssitzungen stellte gewisse Anforderungen an seine Redner: Man erwartete in der Bütte neben einer einwandfreien Rhetorik auch den meisterlichen Umgang mit der Sprache und die perfekte Beherrschung entweder des Dialekts oder aber der deutschen Hochsprache. Der Redner durfte sich weder zu zurückhaltend noch zu aufdringlich oder leger geben, sondern er musste - bei aller sprachlicher Professionalität - vor allen Dingen natürlich wirken. Darüber hinaus bestand die Wahl des Stoffes für den Vortrag in einer Gratwanderung, in der man den verschiedenartigsten sozialen, politischen und religiösen Hintergründen des Publikums gerecht werden musste.

Die großen Carnevalssitzungen hatten stets viele Besucher von in und außerhalb Mainz und erforderten einen entsprechend dimensionierten Saal. Die großen Sitzungen der Mainzer Fastnacht wurden in der Fruchthalle, im Frankfurter Hof und ab 1884 in der Stadthalle abgehalten.



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