Theodor Eichberger (1835-1917)


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Hochzeits-Gruss

Es schuf der Herr geschwind auch noch ein Fräulein,
Nachdem der erste Mann geschaffen war;
Herr Adam sollte nicht so ganz allein sein,
Der Herr schuf lieber gleich ein Ehepaar.

Was also klar in seinem heil'gen Willen
Der Herr uns schon am Anfang machte kund,
Das sehen wir auch heute sich erfüllen
Durch diesen neugeschloss'nen Ehebund.

Doch damals ist es nur ein Mann gewesen,
Der Fräulein Eva führt' zum Hochzeitsgang,
Und heute ist ein Hauptmann auserlesen,
Der siegreich sich die holde Braut errang!

Ja, wackre Helden hat doch unser Kaiser,
Die männlich ziert des Ruhmes schönster Glanz:
Im Kriege holen sie sich Lorbeerreiser,
Im Frieden pflücken sie den Myrthenkranz!

Die Offiziere zieh'n in Feindeslanden
Gar scharf vom Leder unter Kriegspanier;
Hier hat das Heim des Lederfabrikanten
Selbst angezogen einen Offizier. -

Wie war die holde, süsse Braut umschwärmet
seit früher Jugend von der Freierschaar!
Wie mancher hat sich, ach, gar sehr gehärmet,
Weil seine Werbung doch vergeblich war.

Vergeblich, ja, ward schon um sie gerungen
Von einer ganzen Freiercompagnie,
Und erst dem Compagniechef ist's gelungen
Im Feld der Liebe und - jetzt hat er sie!

Selbst in der Schweiz, wo ew'ger Schnee verkündet
Die Wunder Gottes, am romant'schen See,
Ward einst ein Professorenherz entzündet
In heisser Lieb' zu unsrer lieben Fee.

Doch auch er musste, wie seither ein Jeder,
Abzieh'n mit einem Körbchen ärgerlich;
Dies spröde Herz - nicht der gelehrten Feder,
Dem muth'gen Degen erst ergab es sich!

Dem Brautpaar ward in voller Jugendschöne
Fürwahr ein schönes, hohes Glück zutheil,
Und Gläserklang und heller Jubel töne
Am Hochzeitstage auf sein fernes Heil!

Die lieben Eltern schau'n verklärt und innig
Der Kinder Glück und sind selbst hochbeglückt;
Die Schwester hat geschmückt die Braut so sinnig -
Ob sie sich selbst nicht bald mit Myrthen schmückt?

Und viele liebe Freunde steh'n zur Seite
Dem jungen Paar, getreu mit Herz und Hand!
Und alle geben ihm ein froh' Geleite
Voll Segenswünsche in den Ehestand.

Wenn dann die Neuvermählten traulich wohnen
Zu Worms am schönen Strand des grünes Rheins,
Da soll in ihrem Heim die Eintracht thronen,
Da seien sie in Glück und Liebe eins!

Ergreift die Gläser nun und lasst sie klingen:
Dem Paare, das das schönste Loos heut' zog,
Dem Brautpaar lasst ein dreifach Hoch uns bringen
Zu seinem Wohl!

Das Brautpaar lebe hoch!!!

Theodor Eichberger:
Hochzeits-Gruss zur Vermählungs-Feier von Fräulein Auguste Spicharz und Herrn Hauptmann L. Winter am 18. November 1883, gewidmet von einem Freunde.


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