Theodor Eichberger (1835-1917)


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Satire

Auf ironische Weise kommentierte Theodor Eichberger in der Tagespresse das politische Geschehen in Mainz, im Großherzogtum, im Kaiserreich und in der Welt. Den Stoff für seine Glossen bezog er aus den Berichten der Tageszeitungen. Insbesondere die Steuerpolitik war eines der Lieblingsthemen Th. Eichbergers, das auch in seinen carnevalistischen Vorträgen immer wieder durchscheint.

Als der starke Mann in Deutschland stand Kanzler Bismarck mit seinen Possen oft im Rampenlicht der Satire. Er bestimmte wie kein anderer zwischen 1871 und 1890 im Innen wie auch Äußeren die Politik des Reiches, welches er mit starker Hand zu führen verstand, bekämpfte gleichermaßen die Sozialisten bzw. Sozialdemokraten wie auch das katholische Zentrum, hielt erfolgreich den Klerus von der Politik fern und hatte auch den alten Kaiser Friedrich fest im Griff.

In dem 1871 gegründeten Deutschen Reich führte der Kanzler in den knapp 20 Jahren seines Wirkens eine nie gekannte Fülle und Vielfalt von neuen Zöllen und Steuern ein, die der zuvor von zwei Kriegen gebeutelten Bevölkerung das Leben zusätzlich erschwerten und die auch größtenteils heute noch Bestand haben.

Nach dem Sieg gegen Frankreich 1871 musste der deutsche Staat hohe Kriegsanleihen zurückzahlen, während die Rüstungsindustrie weiterhin florierte, denn man befürchtete nun eine französische Revanche; die Waffen der Armee wurden modernisiert, und die Gründer erwarben beträchtliche Vermögen wie etwa der Industrielle Alfred Krupp, welcher dem Reiche in großer Anzahl Kanonen verkaufte. Die Gründerjahre 1871-1873 waren geprägt vom Beginn eines Strukturwandels von der Agrar- zur Industriegesellschaft, in dem der Fortschritt der Industrialisierung gleichsam wie die Konjunktur einen gewaltigen Sprung nach vorn erlebte; doch bereits 1873 flaute der wirtschaftliche Boom ab, um in eine schwere und langanhaltende Konjunkturkrise umzuschlagen.

Vielleicht die einzig wirkungsvolle - und zudem für Jedemann erschwingliche - Medizin gegen diese Zustände war dem einfachen Volk der Humor. In der Satire erfahren die beobachteten und bloßgestellten Miss-Stände oftmals noch eine groteske Steigerung, indem der Humorist das Absurde als das Selbstverständliche behandelt, es dabei karikierend weiterentwickelt und auf die Spitze treibt.

Zu Beginn der 1880er Jahre begann man sich auch in Deutschland für überseeische Besitzungen zu interessieren. Nationen wie England und Frankreich teilten bereits seit einiger Zeit den Erdball unter sich auf, indem sie jeden noch freien Winkel Afrikas und Asiens kolonisierten, und auf Betreiben der Wirtschaft versuchte sich nun auch Deutschland - nach dem anfänglichen Widerstand Bismarcks - in Sachen Kolonien. Der Umstand, dass man hierbei - wieder einmal - zu spät kam und sich auf einige wenige kleine Gebiete beschränken musste, an denen die etablierten Kolonialmächte kein Interesse zeigten, bot dem Humoristen Anlass zur Satire, ebenso wie das oft unweltmännische Verhalten deutscher Kolonialisten gegenüber den Eingeborenen.

Auch der technische Fortschritt, der im 19. Jh eine ungeheure Blüte erlebte, und für den in eben jenem Jahrhundert sinnbildlich die Eisenbahn steht, findet in der Satire des 19. Jh. seine Beleuchtung.



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