Theodor Eichberger (1835-1917)


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Ostern.

Ostern! Ostern! Auferstehen!
Sprossend. grüßen Wald und Flur;
Leben weckt des Frühlings Wehen,
Blüthen schmücken seine Spur
Ostern! Auferstehen! tönt es,
Und im Herzen hallt es nach
Und nach langem Harren sehnt es,
Sich nach einem Ostertag. -

Auferstehen soll ein Friede,
Den die Menschheit anerkennt
Als die schönste Geistesblüthe,
Daß kein Völkerkrieg entbrennt;
Daß das Blut, das all geflossen,
Nicht vergeblich war gesä't;
Daß der Mensch nach Palmensprossen
Statt nach blut'gen Lorbeer späht.

Auferstehen soll der Wohlstand,
Schon im kleinsten Keim begrüßt,
Den in jahrelangem Nothstand
Mancher, Ach! so schwer vermißt!
Tausenden von fleiß'gen Händen,
Die jetzt müßig müssen ruh'n.
Soll er seinen Segen, spenden:
Neues Schaffen, lohnend Thu'n.

Auferstehen soll die Liebe
Die im Winterschlafe lag,
Breiten ihre kräft'gen Triebe
Aus im sonnenhellen Tag.
Liebe kann Versöhnung schaffen,
Die zum Völkerbunde führt,
Daß die Welt im Glanz der Waffen
Nicht zum Heereslager wird. -

Ostern! Auferstehungsfeier
Aus der bangen Grabesnacht,
Hast du solche Ostereier
Für die Menschheit mitgebracht?
Ach, es blinket keins im Grase,
Das des Spähers Lust erregt
Denn - noch fehlt der Osterhase,
Der so selt'ne Eier legt.

Theodor Eichberger: Ostern.
In: Der Hausfreund Nr. 10, 6. Jg., vom 21. April 1878. Unterhaltungsblatt des Mainzer Anzeigers.


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