Theodor Eichberger (1835-1917)


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Sternschnuppen-Lieder.

An Laurentia.

Erblick' ich die Sternschnuppenfälle
In sommerlich molliger Nacht,
Dann seufz' ich: Ach wärst Du zur Stelle,
Mein Liebchen, und säh'st diese Pracht!

Laß' uns durch die Dämmerung wallen,
Laurentia, o komme geschwind,
Mehr, als Meteore da fallen,
Lieb' ich Dich, Du herrliches Kind.

*        *        *

Was sind denn wohl die Sterne?
Ei, Engelein, wie Du!
Weil sie uns ewig ferne,
So funkeln sie uns zu.

Als zarte Liebesspenden
Urew'ger Sympathie,
Vom hohen Himmel senden
Die gold'nen Schnäuzer sie!

In diesem Weltgetümmel
Warst Du mein schönster Stern;
Als ständest Du am Himmel,
Bist Du mir jetzt so fern.

Weißt nicht, wie ich gelitten
Und wie Du mich betrübst
Weil Du mir, trotz der Bitten,
Kein solches Zeichen gibst!

*        *        *

Wir nennen den Sternschnuppenregen,
Der jedes Jahr fällt im August,
Laurentiusschwarm - da bewegen
Mir süße Gefühle die Brust.

Mir wird's um das Herz herum wärmer,
Bin ich mit dem Schwarm doch verwandt;
Ich bin ein Laurentiaschwärmer,
Der heftig in Liebe entbrannt!

Laurentia ist meine Sonne
Am Tage zur liebenden Qual,
Ihr Erdball bin ich, der mit Wonne
Sich sonnt am versengendem Strahl.

Sie leuchtet mir auch - in Gedanken -
Als Stern in der Nacht minniglich;
Die Lieb' kennt nicht irdische Schranken:
Ihr Schnuppe jedoch - das bin ich!

*        *        *

Ein Sternschnuppe wahrlich ist glücklich!
Sobald von dem Himmel er fällt,
Vergeht und erlischt augenblicklich
Die Glut, die ihn strahlend erhellt!

Ich aber, ich Aermster von allen,
Obgleich ich noch weile am Ort,
Bin auch aus dem Himmel gefallen,
Die Glut jedoch dauert noch fort!

*        *        *

Laurentia, ich bin Dir nicht böse!
Du suchst nach Sternen erster Größe,
Ein solcher aber bin ich nicht;
Du siehst nicht nur nach den Planeten,
Du siehst noch mehr auf die Moneten;
Die fallen bei Dir in's Gewicht.

Dir kommt nur eben Der gelegen,
Der einen gold'nen Schnuppenregen
Stets über Dich ausschütten kann;
Der Dich wie einen Stern kann putzen,
D'rum ist mein Werben ohne Nutzen,
Denn dazu bin ich nicht der Mann.

Als ich Dich, schöner Stern, erblickte
Und mich der gold'ne Strahl entzückte
Aus Deinem holden Augenpaar,
Da wollt' ich folgen Dir für's Leben,
Weil jedes and're Sternlein eben
Mir fortan völlig Schnuppe war.

Und als Du selbst mich ließest hoffen,
Da sah ich schon den Himmel offen -
Du hattest mich darin bestärkt!
Doch als Du mich beim Sternenglühen
Gefragt nach meinen Revenüen,
Hab' ich den Schnuppen wohl gemerkt.

Theodor Eichberger: Sternschnuppen-Lieder. An Laurentia.


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