Theodor Eichberger (1835-1917)


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Gefühlssachen

Wenn man als Kind im Übermute
Sich nicht nach Wunsch gehorsam hielt
Und man der lieben Mutter Rute
Ach! recht empfindlich oft gefühlt.

Und war man später zum Spektakel
Mal in der Schule aufgelegt;
Hat einem wohl des Lehrers Bakel*
Recht lebhaft das Gefühl erregt.

Doch, wenn schon längst verdorrt die Rute,
Der Bakel längst schon pensioniert,
Wenn ruhet selbst die Hand, die gute
Die so gefühlvoll sie geführt:

Da fühlt man dann erst an den Schlägen,
Des Schicksals, ach! den unsichtbar'n,
Dass Rut' und Bakel doch dagegen
So weich wie Eiderdaunen war'n!

* Der Stock, mit dem Lehrer früher ihre Schüler zu züchtigen pflegten

Theodor Eichberger: Gefühlssachen.
In: Beilage zur Mainzer Zeitung Nr. 13 vom 15. Januar 1882


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