Theodor Eichberger (1835-1917)


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Frommer Wunsch.

Ich prägt' es gerne allen Frauen ein
Sowie jedwedem fleiß'gen Mägdelein,
Und grüb' es gern in jede Küchenwand
Dort wo im Herde wird geschürt der Brand,
Auf jede Erdölkanne möcht' ich's schreiben:
Vom Feuer sollst du mit Petroleum bleiben!

Ich möcht' abrichten jeden jungen Star,
Bis daß er spräch' die Worte rein und klar,
Und alle sängen warnend dann wenn kräht
Der Hahn des Morgens schon bis abends spät
Recht laut es durch die Küchenfensterscheiben:
Vom Feuer sollst du mit Petroleum bleiben!

Ich wünscht's gemalt auf jedem Topfe fett
Und eingebrannt in jedes Küchenbrett,
In jede Küchenschürze eingestickt,
An einem Platze wo man's stets erblickt,
So dauerhaft daß es nicht abzureiben:
Vom Feuer sollst du mit Petroleum bleiben!

Ich mein' es würde, könnte dies gescheh'n,
Als dann so vieles Unheil nicht gescheh'n
Wie schon seither, wo's manches nicht bedacht
Und sich in schwere Brandgefahr gebracht -
Man dürft's dem Liederschatze einverleiben:
Vom Feuer sollst du mit Petroleum bleiben!

Theodor Eichberger: Frommer Wunsch.
In: Neuester Anzeiger Nr. 164III Nr. 249 vom 16. Juli 1904


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