Theodor Eichberger (1835-1917)


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An die Boudin-Schüler

Herbei, Ihr alten Schul-Collegen
Und bringet euer Scherflein dar;
Auf daß wir zeigen allerwegen
Wie uns so lieb und theuer war
Der Lehrer, der jetzt heimgegangen
Und auf dem stillen Friedhof ruht;
An dem wir inniglich gehangen,
Der uns gelehret lieb und gut.

Das war ein Ehrenmann, ein ächter
Voll Wissen und Bescheidenheit;
ein Volksschullehrer war's, ein rechter,
Deß' ganzes Sein dem Volk geweiht!
Die freie Forschung, prakt'sches Wissen
War seiner edlen Lehre Kern
- Ob er auch drum hat leiden müssen -
Sie strahlt uns wie ein gold'ner Stern!

Er war ein Ritter von dem Geiste!
Und hat es selber kaum gedacht;
Dem Lehrer danken wir das Meiste
Was uns für's Leben nützlich macht.
Er hat gesät des Geistes Samen
In uns'res Lebens Morgenroth,
Wo uns zu gut die Früchte kamen -
Der Sämann aber, der ist todt!

Wir wollen ihm als Dankesgabe
Ein Denkmal der erinnerung weih'n
Ein schlichter Stein auf seinem Grabe
Soll uns'rer Liebe Zeugnis sein.
Wie er stets einfach, schlicht gewesen,
Sei auch das Denkmal, das ihn nennt,
Ist Boudin's Name drauf zu lesen,
Dann wird's zum großen Monument!

Und eine Stiftung sei gegründet,
Die wirket, was sein Streben war,
Auf daß der Nachwelt sei verkündet
Wie segensreich sein Leben war.
Mußt' er auch selber von uns scheiden
Sein Name strahlet groß und schön!
Es soll bis in die fernsten Zeiten
Die Boudin-Stiftung fortbesteh'n.

Drum kommt, Ihr alten Schul-Collegen
Und bringet euer Scherflein dar;
Auf daß wir zeigen allerwegen
Wie uns so lieb und theuer war
Der Lehrer, der jetzt heimgegangen
Und auf dem stillen Friedhof ruht;
An dem wir inniglich gehangen,
Der uns gelehret lieb und gut.

Theodor Eichberger: An die Boudin-Schüler.
In: Mainzer Anzeiger No. 69 vom 25. März 1873


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